02 Nov
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Viele Eltern kommen mit einem Diktat zu mir ins Erstgespräch. Unten steht in Rot eine Zahl: 18 Fehler, Note 5. Die Sorge ist groß, beim Kind und bei den Eltern. Und oft auch die Frage: „Wie soll das jemals besser werden?“Ich schaue mir dann nicht die Zahl an, sondern die Fehler selbst. Und sehr oft sage ich danach etwas, womit die Eltern nicht rechnen: „Das ist eine gute Nachricht.“

Die Zahl der Fehler sagt fast nichts

Eine Fehlerzahl zählt nur, wie oft etwas nicht stimmt. Sie sagt nicht, warum es nicht stimmt. Zwei Kinder mit je 18 Fehlern können an ganz unterschiedlichen Stellen stehen. Das eine Kind braucht dann ganz andere Hilfe als das andere.Der Sprachwissenschaftler Günther Thome hat das in seiner Forschung zum Rechtschreiberwerb sehr deutlich gezeigt: Kinder lernen Schreiben in Entwicklungsschritten, und ihre Fehler verraten, auf welchem Schritt sie gerade stehen. Fehler sind also kein Zeichen von Faulheit oder Unfähigkeit, sondern ein Fenster in das Denken des Kindes. Auf diesem Gedanken baut meine Arbeit auf.

Drei Arten von Fehlern und was sie bedeuten

1. Das Kind hört das Wort noch nicht vollständig durch.

Es schreibt Fasche statt Flasche oder Kokdil statt Krokodil. Laute fehlen oder stehen in der falschen Reihenfolge. Das Kind kann ein Wort noch nicht sicher in seine Laute zerlegen. Hier hilft kein Regelpauken, denn eine Rechtschreibregel kann man erst anwenden, wenn man das Wort vollständig hört. Die Förderung beginnt deshalb beim genauen Hinhören und Gliedern.

2. Das Kind schreibt, wie es spricht, aber die Regel fehlt noch.

Es schreibt Hunt statt Hund oder Bal statt Ball. Das ist ein wichtiger Fortschritt, auch wenn es rot angestrichen wird. Denn das Kind hat jeden Laut richtig gehört und richtig verschriftet. Was fehlt, ist das Wissen, dass Schrift mehr ist als Lautschrift. Ob es Hund mit d schreibt, kann es zum Beispiel herausfinden, indem es das Wort verlängert: die Hunde. Solche Strategien kann man gezielt lernen, und das Gute ist: Eine Strategie hilft bei Hunderten von Wörtern.

3. Das Wort muss man sich einfach merken.

Vater mit V, ihr mit h, Mehl mit h. Das kann man nicht hören und auch nicht ableiten. Diese Wörter muss das Kind als Wortbild abspeichern. Dazu gehören auch viele der häufigsten Wörter unserer Sprache. Hier hilft Üben, aber nicht stumpfes Abschreiben, sondern regelmäßiges, kurzes Wiederholen mit Selbstkontrolle, bis das Wort automatisch sitzt.

Warum das für Ihr Kind so wichtig ist

Stellen Sie sich vor, ein Kind schreibt noch Fasche, bekommt aber Arbeitsblätter zu Doppelkonsonanten. Es übt fleißig und kommt trotzdem nicht weiter, weil die Grundlage fehlt. Nach einigen Wochen glaubt es: „Ich bin einfach zu dumm für Rechtschreibung. “Diesen Satz höre ich in meiner Praxis leider oft. Dabei liegt das Problem fast nie am Kind, sondern daran, dass an der falschen Stelle geübt wurde. Bei dem Diktat mit 18 Fehlern sieht es nach der Analyse häufig so aus: Zwei Drittel der Fehler gehen auf ein und dieselbe Regel zurück. Das heißt: Wenn das Kind diese eine Strategie lernt, verschwindet ein großer Teil der Fehler. Genau das meine ich mit der „guten Nachricht“.

Wie ich gezielt fördere

Am Anfang steht immer eine genaue Fehleranalyse. Ich schaue nicht nur, ob ein Wort richtig ist, sondern wie Ihr Kind es geschrieben hat. Daraus ergibt sich, wo es gerade steht und was der nächste sinnvolle Schritt ist. Nicht der übernächste und nicht der, der im Lehrplan gerade dran ist. Die Förderung ist deshalb bei jedem Kind anders. Sie verbindet genaues Hinhören, verständliche Strategien und spielerisches Üben, bei dem Kinder ihre eigenen Wörter kontrollieren und Fortschritte selbst sehen. Das ist mir wichtig. Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten haben oft schon viele Niederlagen erlebt. Sie brauchen Erfolge, die sie selbst bemerken. Und Sie als Eltern bekommen regelmäßig Rückmeldung, woran wir gerade arbeiten und was sich schon verändert hat.

Was Sie als Eltern tun können

  • Zählen Sie nicht die Fehler, sondern schauen Sie auf die Art. Fragen Sie sich: Fehlen Laute? Oder ist das Wort lautlich richtig und nur die Regel fehlt? Das allein verändert schon den Blick.
  • Loben Sie lautgetreue Schreibungen. Fata für Vater zeigt, dass Ihr Kind jeden Laut richtig gehört hat. Das ist eine echte Leistung.
  • Üben Sie lieber kurz und regelmäßig als lang und mit Tränen. Zehn Minuten am Tag bringen mehr als eine Stunde am Wochenende.

Sie möchten wissen, wo Ihr Kind steht?

Wenn Sie sich Sorgen um das Lesen oder Schreiben Ihres Kindes machen, lade ich Sie zu einem Erstgespräch in meine Lerntherapiepraxis in Ibbenbüren ein. Bringen Sie gern ein aktuelles Diktat oder einen freien Text Ihres Kindes mit. Gemeinsam schauen wir, was hinter den Fehlern steckt und welcher Weg für Ihr Kind sinnvoll ist.

Melden Sie sich gerne: 0162 6254914 / 05451 5435958

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