„Ich will nicht lesen!“ Kennen Sie diesen Satz? Für viele Kinder ist Lesen anstrengend, und alles, was anstrengend ist, schieben wir gern vor uns her. Das geht uns Erwachsenen ja nicht anders. Die gute Nachricht: Mit ein paar Kärtchen wird aus dem Üben ein Spiel. Sie brauchen nur Karten mit Wörtern oder Silben, die Sie ganz einfach selbst auf festes Papier schreiben können.
Zwei Sorten von Wörtern lohnen sich besonders:
Wörter, die man so schreibt, wie man sie spricht, etwa Sofa, Rose oder Tomate. Hier kann Ihr Kind Laut für Laut zusammenziehen und erlebt: Ich kann das!
Die häufigsten Wörter der deutschen Sprache, also und, die, ist, ich, nicht oder auch. Diese kleinen Wörter tauchen in fast jedem Satz auf. Wenn Ihr Kind sie auf einen Blick erkennt, wird das Lesen spürbar flüssiger, und es bleibt mehr Kraft für die schwierigen Wörter.
Der Liebling in meiner Praxis. Mischen Sie unter die Lesekarten ein paar Karten mit einem Blitz. Reihum wird eine Karte gezogen und vorgelesen. Richtig gelesen? Dann darf man sie behalten. Wer einen Zonk zieht, muss alle gesammelten Karten zurück in den Stapel legen. Das Glück entscheidet mit, und genau das macht es spannend. Auch Kinder, die langsam lesen, können gewinnen.
Auf einer Karte steht ein Wort, auf der anderen ist das passende Bild. Wer ein Paar aufdeckt, liest das Wort laut vor.
Verstecken Sie fünf Wortkarten im Zimmer. Ihr Kind sucht sie und darf jeden gefundenen „Schatz“ vorlesen. Bewegung und Lesen in einem.
Stecken Sie eine Büroklammer an jede Karte und basteln Sie eine Angel aus Stock, Schnur und Magnet. Was am Haken hängt, wird gelesen.
Schneiden Sie Wörter in Silben auseinander: Ba-na-ne, Ta-fel, Ro-se. Ihr Kind setzt sie wieder zusammen und liest das fertige Wort. Silben sind für viele Kinder der Schlüssel zum flüssigeren Lesen.
Jeder bekommt ein Raster mit neun Wörtern. Abwechselnd wird eine Karte gezogen und vorgelesen. Wer das Wort auf seinem Raster hat, deckt es ab.
Auf den Karten stehen kleine Aufgaben: „hüpfe“, „klatsche dreimal“, „miaue wie eine Katze“. Ihr Kind liest und macht es vor. So zeigt sich ganz nebenbei, ob es auch verstanden hat, was es gelesen hat.
Malen Sie einen einfachen Spielplan. Wer auf einem Feld landet, zieht eine Karte und liest sie. Ist sie richtig gelesen, gibt es einen Extraschritt.
Ihr Kind zieht eine Karte, liest sie und sucht den passenden Gegenstand im Raum: Tasse, Buch, Stuhl. Gefunden? Fall gelöst!
Legen Sie Wortkarten bereit und bauen Sie gemeinsam Sätze, je verrückter, desto besser: „Der Hund isst den Mond.“ Kinder lieben das, und nebenbei üben sie, Sätze sinnvoll zu lesen.
Lieber kurz als lang. Zehn fröhliche Minuten bringen mehr als eine halbe Stunde mit Tränen. Hören Sie auf, solange es noch Spaß macht.
Ähnliches nicht mischen. Buchstaben und Laute, die sich ähneln, etwa b und d oder eu und au, verwechseln Kinder leicht, wenn sie gleichzeitig geübt werden. Üben Sie sie lieber zeitlich getrennt, bis eines sicher sitzt.
Gelassen bleiben bei Fehlern. Liest Ihr Kind ein Wort falsch, sagen Sie einfach: „Schau noch mal genau hin.“ Klappt es dann immer noch nicht, lesen Sie es gemeinsam. Ein Spiel soll kein Test sein.
Die Welt Ihres Kindes einbauen. Ob Fußball, Pferd oder Dino: Ein paar Lieblingswörter im Stapel machen neugierig. Für den Anfang aber lieber die einfachen Wörter in der Überzahl lassen.
Manche Kinder spielen gern mit, und trotzdem wird das Lesen nicht leichter. Das ist kein Grund zur Sorge, aber ein guter Anlass, genauer hinzuschauen. In meiner Praxis Dyslegi in Ibbenbüren biete ich dafür ein kostenloses Erstgespräch an. Anne-Kathrin Drosten, integrative Lerntherapeutin sowie diplomierte Legasthenie- und Dyskalkulietrainerin